Musikindustrie Prangert KI-Inhalte Mit Abgestufter Kennzeichnung An
Die Musikindustrie hat sich auf ein neues System zur Kennzeichnung von Inhalten verständigt, die von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. Dieses neue Label-System wird zwei Hauptkategorien umfassen: „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“. Es ist ein Schritt in Richtung Transparenz und Verantwortlichkeit in einer Zeit, in der KI-Generierung in der Musikbranche immer häufiger wird.
Was Bedeutet „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“?
Laut dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) gilt ein Stück als “KI-generiert”, wenn wesentliche Teile, wie der Leadgesang oder zentrale Instrumentalparts, durch KI-gestützte Technologien erstellt wurden. Es ist nicht notwendig, dass der gesamte Song vollständig von einer KI generiert wird. Diese Kennzeichnung gibt Künstlern und Nutzern klarere Informationen über den Ursprung der Musik.
Ein Werk wird als „KI-unterstützt“ betrachtet, wenn die Aufnahmen primär von Menschen erstellt wurden und somit menschliche Kreativität ausdrücken. Hierbei müssen beispielsweise Gesang und Hauptinstrumente von menschlichen Künstlern eingespielt werden. Dieser Unterschied soll es den Zuhörern ermöglichen, klar zwischen Musikstücken zu unterscheiden, die hauptsächlich durch menschliches Talent und Kreativität oder durch KI-Technologie entstanden sind.
Lücken im Kennzeichnungssystem
Eine bedeutende Einschränkung des neuen Systems ist die Tatsache, dass Songtexte, Plattencover und Musikvideos nicht unter die Kennzeichnungsregeln fallen. Der Verband hat klargestellt, dass zur Zeit kein Schutz oder keine Kennzeichnung für Texte besteht, die vollständig von KI generiert werden können. Dies könnte zu Verwirrung führen, insbesondere wenn menschliche Sänger Texte einspielen, die vollständig aus einer KI stammen, wodurch eine klare Kennzeichnung außen vor bleibt.
Das gleiche Problem betrifft auch die musikalischen Kompositionen. Ein Musikstück kann rein aus einer KI-Generierung bestehen und dennoch ohne entsprechende Kennzeichnung veröffentlicht werden, solange menschliche Musiker die Instrumentierung übernehmen. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Transparenz auf und könnte das Vertrauen der Verbraucher in die Authentizität der Musik beeinträchtigen.
Unterstützung durch Branchenvertreter
Das neue Kennzeichnungssystem hat breite Unterstützung in der Musikbranche, einschließlich wichtiger Verbände wie der Recording Industry Association of America (RIAA) und der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). Diese Organisationen sind sich einig, dass Transparenz beim Einsatz von KI in der Musik entscheidend ist, um den Künstlern und Produzenten gerecht zu werden.
Nicht nur große Firmen, sondern auch unabhängige Künstler und Gewerkschaften wie SAG-AFTRA und IMPALA unterstützen diese Initiative. Diese Vielfalt an Stimmen sorgt dafür, dass das Thema in der gesamten Branche ernst genommen wird.
Die Sicht der Streaming-Dienste
Streaming-Plattformen wie Spotify und Apple Music haben ein zunehmendes Interesse an dieser Thematik. Deezer berichtete, dass 44 % der neuen Uploads im April 2026 KI-generiert waren. Dies zeigt, dass KI-generierte Musik bereits einen signifikanten Anteil in den Playlists der Nutzer hat. Streaming-Anbieter fordern auch verlässliche Metadaten, um sicherzustellen, dass Inhalte korrekt etikettiert werden.
Fazit
Die abgestufte Kennzeichnung für KI-generierte und -unterstützte Inhalte ist ein wichtiger Schritt in der Musikindustrie, um Transparenz und Vertrauen wiederherzustellen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie gut sich die Organisationen und Verbände auf die Technologien einstellen und ob das Kennzeichnungssystem anpassungsfähig genug ist, um mit dem rasanten technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Diese Entwicklung könnte das gesamte Landschaftsbild der Musikindustrie nachhaltig verändern.

