Bei Gladbachs Saisonanalyse saßen alle mit am Tisch: Sport-Boss Rouven Schröder (50) und sein Team. Trainer Eugen Polanski (40). Die Geschäftsführung mit CEO Stefan Stegemann (62) und Markus Aretz (59). Das Präsidium um Klub-Ikone Rainer Bonhof (74). Und der Aufsichtsrat um Michael Hollmann (68), der auf der Jahreshauptversammlung zuletzt öffentlich die Führung attackiert hatte („Schnauze voll“). Als es um die Zukunft des wackelnden Polanskis ging, wurde kontrovers diskutiert. Nicht alle waren für seine Weiterbeschäftigung. Letztlich aber galt vor allem die Schröder-Entscheidung: Polanski bleibt.
Auch weitere Vorgänge zeigen: Schröder reißt in Gladbach immer mehr die Macht an sich!
Erstmals seit dem Ende von Ex-Boss Max Eberl (52) Anfang 2022 hat Borussia wieder eine Führungspersönlichkeit, der intern alle vertrauen und der dem Verein auch in der Außendarstellung ein Gesicht gibt.
So viel Macht hat Schröder schon bei Gladbach
Während auf der Jahreshauptversammlung fast alle Verantwortlichen frontal von den Mitgliedern angegangen wurden, brachte Schröder die Fans mit einer Rede hinter sich, in der er „Mut“ zum neuen Motto erklärte. Seit seinem Amtsantritt im Oktober hat er sich ein eigenes Team aus Vertrauten aufgebaut und mit André Hechelmann (41/Scouting) und Christoph Menke-Salz (41/Lizenz) zwei neue Direktoren eingestellt. Damit stärkte er frühzeitig seinen Einfluss im Gladbacher Machtgeflecht.
Polanski ließ er nun wochenlang zappeln, erzwang damit eine Selbstreflexion des Trainers. Schröder wollte sicherstellen, dass Polanski seine Ideen von Struktur und Fußball umsetzt. Er hat seinem Trainer in Gesprächen klare Vorgaben erteilt: eine mutige Spielidee, mehr Intensität, ein System mit Viererkette, den Einbau von Talenten. Dafür bezog er Polanski in die Kaderplanung mit ein. Das Trainerteam wird jetzt umgebaut, auch hier wird Schröder entscheidend Einfluss nehmen.
Auch beim Kaderumbau geht Schröder schonungslos vor. Streichkandidaten signalisiert er klar, dass sie gehen sollen. So drängte er etwa mit der Verpflichtung des günstigeren Daniel Batz (35/Mainz/ablösefrei) Ersatzkeeper Jonas Omlin (32/vor Wechsel nach Basel) zur Flucht. Auf dem Transfermarkt schaffte er bereits vor der komplizierten WM-Phase Fakten, erzielte mit Batz, Hugo Bolin (22/Malmö/zwei Mio.), David Herold (23/Karslruhe/3,5 Mio.), Enzo Leopold (25/Hannover/ablösefrei), Yukhym Konoplya (26/Donetsk/ablösefrei) und Zento Uno (22/soll von Shimizu S-Pulse kommen) frühzeitige Einigungen – und machte auf der anderen Seite Rocco Reitz (24/Leipzig/20 Mio.) und Winsley Boteli (19/Sion/3,5 Mio.) zu Geld. Bei allen Neuen setzte er seine Strategie mit niedrigen Grundgehältern und höheren Prämien durch. Zudem will er den Konkurrenzkampf auf allen Positionen verschärfen.
Zwar sind auch Schröders Entscheidungen noch keine Erfolgsgarantie – als Klub-Sprachrohr weiß er sie aber geschickt zu verkaufen. So drückt er Gladbach zunehmend seine Handschrift auf.

