Carlos Cuesta (30) ist das, was Nationaltrainer Julian Nagelsmann (38) zu seinem Karriere-Start in Hoffenheim war. Und zwar der jüngste Cheftrainer in Europas Topligen. In seinem ersten Jahr bei Italien-Erstligist Parma Calcio gelang ihm der souveräne Klassenerhalt mit einem der jüngsten Kader der Liga.
Das Besondere: Cuesta arbeitete bis 2025 als Co-Trainer von Arsenals Mikel Arteta (44) und ist zudem ein enger Vertrauter des Spaniers. Der gewann mit den Londonern gerade die erste englische Meisterschaft seit 22 Jahren und steht im Champions-League-Finale.
Arteta: Parma-Trainer und Kumpel erklärt Erfolgsformel
Über ihre Erfolgsformel sagt Cuesta: „Für ihn und uns war immer klar: Was bringt dich am ehesten dazu, ein Fußballspiel zu gewinnen? Du musst die Risiken kalkulieren, wenn du in der gegnerischen Hälfte spielst. Du musst Druck auf den Ball machen, es geht um Rhythmus und Geschwindigkeit. Und du musst versuchen, aus jedem Teil des Spiels einen Vorteil zu ziehen.“
Wie Arsenal ist auch Parma gerade bei Standardsituationen extrem gefährlich und arbeitet viel an eigenen Varianten. „Du musst Spielern Werkzeuge an die Hand geben, die ihnen das Gefühl geben, konkurrenzfähig zu sein. Wir tun das Richtige für den Verein. Und in dem, was wir tun, wollen wir herausstechen“, sagt Cuesta.
Zusammen machten Mikel Arteta (44,l.) und Carlos Cuesta (30) Arsenal zu einem europäischen Topteam
Der gebürtige Mallorquiner kam über Jugentrainer-Stationen bei Atlético und Juventus nach London, sagt über Ex-Boss Arteta: „Er ist eine tolle Person und in der Lage, Rückschläge zu bewältigen. Seine Persönlichkeit bringt ihn dazu, jeden Tag nach Exzellenz und dem Herausragenden zu suchen. So konnte er einen Traditionsklub wie Arsenal transformieren.“
Während Ex-Profi Arteta mit Mitte 40 auf dem Karriere-Gipfel steht, ist Cuesta früher dran. Egal, wo er bisher arbeitete, war er der Jüngste. „Als ich zu Parma herkam, war die Frage: Wie kann ich Glaubwürdigkeit aufbauen, wenn Skepsis und Zweifel vorherrschen?“, sagt er und legt nach: „Es ist aber egal, ob ich jünger oder älter bin als meine Spieler. Ich will ihnen nur helfen. Und meine Idee muss zu Ihnen passen.“
In Parma ist das ein defensiver Ansatz (zehntbeste Abwehr), der im erst zweiten Jahr nach dem Wieder-Aufstieg genug Punkte brachte. Gelernt hat Cuesta bei Ajax, Rom oder Leeds mit Trainer-Legende Bielsa. In Parma steht er zum Beispiel im Austausch mit Klub-Boss und Ex-Dortmund-Coach Nevio Scala (78): „Seine Weisheit und Direktheit sind eine Quelle der Inspiration.“
In seinem Job beschäftigt sich das Trainer-Toptalent viel damit, welcher Spielansatz die Wahrscheinlichkeit von Siegen erhöht. Als Beispiel nennt er die Bayern und PSG, die mit ihrem 5:3 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League Europa begeisterten. Dahinter steckt die Idee, dass sie es durch offensives Spiel und mehr eigene Tore unterlegenen Gegnern schwer machen, mehr Tore als man selbst zu schießen.
Cuesta: „Diese Mannschaften spielen nicht aus der Liebe zum Fußball so oder um Fans anzusprechen. Es ist zweckmäßig, um mehr Spiele zu gewinnen. Und das können sie nicht ändern. Denn wenn man nicht mehr so spielt, fangen deine Spiele an zu zweifeln: War es bisher nicht gut, so intensiv und offen zu spielen?

