Man nannte ihn mal den „FC Bayern des deutschen Handballs“. Viel davon ist beim THW Kiel in der Daikin Handball-Bundesliga aktuell nicht mehr übrig. Der deutsche Rekordmeister ist dabei, schon wieder das erklärte Ziel Champions League zu verpassen. Der deutsche Rekordmeister verdankt seinen derzeit fünften Tabellenplatz lediglich dem Umstand, dass der TBV Lemgo Lippe am Samstag zu Hause 26:27 gegen die MT Melsungen verlor. Sonst wäre Kiel das Schlusslicht der Top 6.
THW Kiel schiebt Punktverlust auf Schiedsrichter
Der große THW Kiel hat diese Saison zwei Mal gegen den ThSV Eisenach nicht gewonnen. 27:27 in Thüringen, Samstagnachmittag 30:30 zu Hause. Auf seiner Homepage schreibt der Rekordmeister im Spielbericht von „wie immer robust körperbetont auftretenden Wartburgstädtern“. Und über „ein Remis, über das diskutiert werden wird“.
Laut THW war es „einmal mehr der Videobeweis, der letztlich nach einer Reihe absurd wirkender Entscheidungen das emotionale Fass zum Überlaufen brachte“. Und über eine Szene in der 58. Minute, „die einen selbst als Handball-Fachmann nur noch ratlos zurückließ“. Das Schiedsrichter-Duo Steven Heinke und Sascha Standke entdeckte bei der Nutzung des Videobeweises nicht nur ein zu bestrafendes Foul des Eisenachers Peter Walz an Eric Johansson. Sondern auch einen Schrittfehler von Elias Ellefsen á Skipagötu vor dessen Pass zu Rune Dahmke, der das vermeintliche 28:29 erzielte. Endergebnis: Zeitstrafe für Walz, Dahmkes Tor aberkannt.
Der THW Kiel, bei dem offenbar die Vereinsbrille beschlagen ist, über die Schiris: „Nach drei Minuten am Monitor kehrten sie zurück, flüsterten mit dem Delegierten Kay Holm und schickten Walz mit einer glücklichen Zeitstrafe auf die Bank.“ Und weiter: „Eine Entscheidung die vielleicht am Ende des Tages für Regeljunkies nachvollziehbar gewesen sein könnte, die aber nicht nur die 10285 Zuschauer, die Fernsehkommentatoren und auch die Spieler ratlos zurückließ“.
Fakt ist, dass der THW Kiel beim Heimauftritt gegen die auswärts weiterhin sieglosen Gäste nicht ein einziges Mal in Führung lag, teilweise fünf Toren Rückstand hinterherhechelte. Fakt ist auch, dass der THW Kiel unter den Top 6 der Klub mit den wenigsten Siegen (15) und der schlechtesten Tordifferenz (+39) ist. Fakt ist ebenfalls, dass das Final 4 um den DHB-Pokal in Köln demnächst ohne den Titelverteidiger aus Kiel steigt. Der THW Kiel ist sportlich in einer Situation, die viele Handball-Beobachter ratlos zurücklässt.

