Nach der Entlassung von Meister-Trainer Predrag Krunic (58) lief es für die EWE Baskets Oldenburg im Dezember plötzlich. Der beförderte Assi Lazar Spasic (33) sorgte an der Hunte für ein Zwischenhoch. Doch der Effekt ist längst verpufft: Die Oldenburger verloren gegen die Veolia Towers Hamburg nach einer katastrophalen ersten Hälfte mit 77:96 (35:58) und versinken im Niemandsland der Easycredit Basketball Bundesliga. Die Türme können sich in dieser Form dagegen nach dem elften Saisonsieg sogar noch mal Hoffnungen auf die Play-Ins machen.
„Hamburg hat einfach besser gespielt als wir“, gestand Oldenburgs Ralph Hounnou (24) mit leiser Stimme im Dyn-Interview. „Sie sind mit mehr Energie reingekommen, haben bessere Plays gespielt, haben die Würfe getroffen, hatten High Confidence. Schade! Wir hätten ein viel, viel besseres Spiel abliefern müssen, als Team zusammen.“ Dann entschuldigte er sich bei den treuen Anhängern: „Leider haben wir heute auch die Fans ein bisschen hängen gelassen. Keine Ausreden.“
Sein Trainer wurde noch deutlicher: „Das ist eine große Schande für uns, um ehrlich zu sein.“ Und weiter: „Heute war es nicht genug, weil wir es nach den ersten 20 Minuten nicht verdient gehabt hätten, das Spiel zu gewinnen. Ich wirklich sehr enttäuscht.“
Nach Pleite gegen Hamburg Towers: Oldenburg-Profi entschuldigt sich bei den Fans
Tatsächlich gab’s in der wiedermal ausverkauften Arena (6335 Fans) sogar Pfiffe für die eigene Mannschaft! Eine Seltenheit in Oldenburg.
Die angeschlagenen „Donnervögel“ hatten Anfang der Woche nur fünf gesunde Spieler im Training. Die Towers machten dagegen genau da weiter, wo sie am Sonntag beim Überraschungs-Sieg vor 12.500 Fans gegen den FC Bayern (96:81) aufgehört hatten. Gleich der erste Dreier des Ex-Oldenburgers Niklas Wimberg (30) flog durch den Ring. In den ersten 20 Minuten folgten acht weitere Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie (56 Prozent).
Mit einem 18:0-Lauf zogen die Hamburger von 6:6 auf 24:6 davon! EWE-Coach Lazar Spasic (33) wollte seine Mannschaft wachrütteln, mahnte in seiner ersten Auszeit: „Wir müssen aggressiver sein! Wir müssen Energie auf den Boden bringen!“ Doch das klappte nur kurz. Zu Beginn des zweiten Viertels kamen die Gastgeber kurz näher – nur, um dann erneut einen 0:15-Lauf der Türme zu kassieren. So wuchs die Führung auf +26 (56:30/19.)! Hamburg machte im zweiten Viertel 32 Punkte. In der ausverkauften Arena wuchs minütlich der Unmut. „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“, sangen die Baskets-Fans.
Das drang offenbar bis in die Oldenburger Kabine. Denn nach der Pause zeigten sie ein anderes Gesicht. Die Hausherren legten gleich zum Start einen 8:0-Lauf hin, verteidigten deutlich intensiver und zwangen die Hamburger zu zehn Ballverlusten in zehn Minuten und kamen noch mal auf 62:71 ran. Doch ein gutes Viertel allein genügte nicht.
Denn die Towers sammelten sich und brachten das Nord-Derby konzentriert und souverän die rund 170 Kilometer nach Hause. Auch, weil sie das Rebound-Duell unter den Körben klar mit 38:28 für sich entschieden. Topscorer LJ Thorpe (26) verpasste mit 27 Punkten haarscharf seine Karriere-Bestleistung (28). Für Oldenburg traf Chris Clemons (28) mit 14 Zählern am besten. Der Ami musste jedoch früh im Schlussviertel nach seinem fünften Foul runter …
Towers-Boss Marvin Willoughby (48) hatte schon nach dem Bayern-Sieg betont, dass der Klassenerhalt wohl erst mit zwölf Siegen absolut sicher sei. Darum wollte auch der seit Wochen konstante Devon Daniels (27/20 Punkte) hinterher bei Dyn nicht über mögliche Play-offs reden: „Wir schauen nur auf das Spiel am Sonntag (gegen die Frankfurt Skyliners, d.Red.).“

