Rocco Reitz (23) musste sich in der Gladbach-Kabine nur ein paar doofe Sprüche anhören. Für seinen Wechsel im kommenden Sommer zu RB Leipzig gab es von den anderen Profis vielmehr Verständnis und Glückwünsche. Dem Mittelfeld-Star winken künftig die Teilnahme am internationalen Geschäft und die Berufung ins Nationalteam. Entscheidend für Borussia: Die Ablösesumme, die sich inklusive Bonuszahlungen auf über 20 Millionen Euro beläuft, sichert die finanzielle Zukunft des Vereins ab. Sie erlaubt aber keine Shoppingtour in der kommenden Transferperiode.
So plant Gladbach mit den Reitz-Millionen
SPORT BILD erfuhr: Von der Reitz-Ablöse kann Gladbach nur bis zu acht Mio. Euro direkt in den Kader reinvestieren. Darin ist die Zwei-Mio.-Ablöse für den derzeit noch geliehenen Mittelfeldprofi Hugo Bolin (22/Malmö) bereits inkludiert.
Der Großteil der Einnahmen, die branchenüblich ohnehin nicht auf einen Schlag überwiesen werden, fließt in die Konsolidierung des Vereins. Konkret werden damit die noch zu hohen Gehaltskosten, Lizenzierungskosten und Verluste getilgt. Nach einem Minus von 2,4 Mio. im Geschäftsjahr 2024 ist auch 2025 wieder mit roten Zahlen zu rechnen. In die Konsolidierung flossen bereits auch der Großteil der rund vier Mio. Euro, die Sport-Boss Rouven Schröder (50) in der zurückliegenden Winter-Transferperiode eingespart hatte.
Sport-Boss Rouven Schröder (50) muss den Gladbach-Kader im Sommer großflächig umgestalten
Bedeutet: Schröder ist im Sommer weiterhin als Verkäufer gefragt. Den besten Markt haben derzeit Stars wie Moritz Nicolas (28/variable Ausstiegsklausel ab zehn Mio.) oder Franck Honorat (29/zehn Mio. Euro Marktwert). Unverkäuflich ist niemand.
Gladbachs Strategie: Die Gehaltsstruktur soll durch Transfers deutlich abgesenkt werden. Das Modell mit niedrigeren Grundgehältern und höheren, leistungsbezogenen Prämien hat Schröder im Fall Bolin bereits angewendet. Zudem haben die verbleibenden sieben Ligaspiele auch finanziell höchste Bedeutung. Aktuell steht Gladbach auf Rang 13 der Fünf-Jahres-Wertung, jeder höhere bzw. niedrigere Platz bedeutet 2,5 Mio. Euro mehr bzw. weniger für den Klub.
Für Reitz hatte Gladbach bereits auch ein leicht attraktiveres RB-Angebot für den Winter erhalten, lehnte aber ab, um den Klassenerhalt nicht zu gefährden. Ohne den Sommer-Verkauf des Eigengewächses stünde Gladbach vor einer noch komplizierteren Zukunft.

