Vor knapp zwei Jahren sorgte Charlotte Dujardin (40) bei den Olympischen Spielen für einen Riesen-Skandal. Ein Video zeigte, wie die Dressurreiterin ihr Pferd mehrfach auspeitschte. Dujardin wurde sanktioniert und musste ein Jahr dafür aussetzen. Jetzt, sechs Monate nach ihrer Rückkehr in den Reitsport, ist das nächste kontroverse Video von der Britin aufgetaucht. Experten kritisieren Dujardin erneut für ihr Verhalten gegenüber ihrem Pferd.
Die Pferde-Wohlfartsorganisation „Collectif Pour Les Chevaux“ (dt.: Kollektiv für Pferde) hat ein Video von der Dressurreiterin auf Facebook veröffentlicht. Dujardin bereitet sich darin mit ihrem Pferd auf das Weltcup-Event in Amsterdam vor.
Besonders für ihren Einsatz der Sporen und der Zügel wird die Britin scharf kritisiert. An vielen Stellen im Video kann man sehen, wie Dujardin dem Pferd gleichzeitig die Sporen gibt, es also nach vorne treibt, und die Zügel so straff hält, dass der Vierbeiner teils sogar den Kopf nach innen hält. Laut Experten, die in der englischen „Times“ zitiert werden, werden dem Tier damit gegensätzliche Botschaften vermittelt: Sporen stehen für Vorwärts, straffe Zügel für Bremsen.
Mette Uldahl, die ehemalige Präsidentin des Europäischen Verbands der Pferdetierärzte, erklärte der Zeitung: „Das ist so, als würde man sein Auto bitten, zu fahren und gleichzeitig zu bremsen.“ Und weiter: „Schauen Sie sich das Pferd, sein Verhalten und seine Signale an. Das Pferd steht unter Druck. Das Hauptprinzip beim Dressurreiten lautet, dass man nicht gleichzeitig die Bremse betätigen und von hinten Druck ausüben kann. Hier liegt also ein Problem vor. Der Druck ist viel zu groß, und die Reiterin ist sich bewusst, dass sie das Pferd auf diese Weise reitet. Für Außenstehende ist dies kaum wahrnehmbar, aber es handelt sich um einen sehr hohen Druck, der sehr unfair ist.“
Dujardin scheint ihrem Pferd die Sporen zu geben, während sie einen straffen Griff an den Zügeln ausübt
Auch Professor Paul McGreevy stimmt der Einschätzung Uldahls zu. Der Experte und Mitgründer der Internationalen Gesellschaft für Pferdewissenschaften macht klar: „Das Pferd mit Sporen vorwärtszutreiben, während Druck auf das Gebiss ausgeübt wird, kann leicht zu einem Verhaltenskonflikt beim Pferd führen.“
Wieder also ein fragwürdiges Verhalten von Dujardin. Nach dem Misshandlungsskandal von 2024 sollte man vermuten, dass sich die Britin besonders bei öffentlichen Auftritten wie dem in Amsterdam umsichtiger zeigen würde.
Das Verhalten Dujardins sei laut McGreevy „sicherlich kein gutes Vorbild“, aber „bei weitem nicht das schlimmste Beispiel, das ich gesehen habe, wo Leute versuchen, Pferde vorwärtszutreiben, während sie gleichzeitig offenbar versuchen, sie zu bremsen“.

Charlotte Dujardin (40) bei der London International Horse Show 2025
Laut Quellen der „Times“ gibt es Zweifel an der aktuellen Qualität von Dujardins Pferd „Alive and Kicking“ (dt.: „Lebendig und munter“). Es könnte nicht gut genug für ein erneutes Podiumsfinish bei den Olympischen Spielen 2028 sein. Reitet die Britin deshalb so verbissen?
Eva van Avermaet, die Gründerin des „Collectif Pour Les Chevaux“, hatte das Video in Amsterdam selber aufgenommen. Sie sagt, sie habe Dujardin „noch nie zuvor so heftig beim Aufwärmen gesehen“. Weiterhin gibt Van Avermaet an, ein Steward habe die Reiterin angesprochen, doch die habe ihr Verhalten nicht geändert. „Diese Reiter respektieren die Stewards nicht genug, um etwas zu ändern“, so Van Avermaet.
Die „Times“ gibt weiterhin an, Dujardin habe eine Aussage zu dem Amsterdam-Video verweigert, die Zeitung stattdessen an den Britischen Pferdeverband verwiesen. Doch auch dort will man bisher zu der Kontroverse keine Stellung beziehen.

