Zwei Tage lang hat Daniel Peretz (25) gestreikt. Der von Bayern München ausgeliehene Torhüter verweigerte die Teilnahme am Mannschaftstraining des HSV und trainierte stattdessen allein im Kraftraum. Nun deutet sich eine Lösung an: Aller Voraussicht nach wird Peretz am Montag abreisen.
Im Hintergrund arbeiten mehrere Parteien an einem vertraulichen Deal. Beteiligt sind der HSV, der FC Bayern, das Umfeld von Peretz sowie der englische Zweitligist FC Southampton, der den Keeper umgehend von den Münchnern ausleihen will. BILD kennt die Hintergründe und Details der Verhandlungen.
Deal zwischen Eberl und Kuntz
Die Geschichte beginnt Mitte Dezember. Da hatten sich Bayerns Sport-Vorstand Max Eberl (52) und der damalige Sport-Vorstand der Hamburger, Stefan Kuntz (63), mündlich darauf geeinigt, die Peretz-Leihe im Winter abzubrechen. Bedingung: Der israelische Nationaltorwart (10 A-Länderspiele) wird auch in der zweiten Saison-Hälfte nicht die Nummer eins im Volkspark.
Schriftlich fixiert war allerdings nichts. Und – Kuntz ging rund um Weihnachten auch nicht mehr ans Telefon. Der Hintergrund ist inzwischen klar: Der Europameister von 1996 befasste sich konkret mit seinem Rücktritt beim HSV, verhandelte mit dem Aufsichtsrat die Details. Nur: Außenstehende konnte er da natürlich nicht mit ins Boot nehmen.
Inzwischen ist das Schnee von gestern. Sportdirektor Claus Costa (41) und Vorstand Eric Huwer (42) haben den Fall nach dem Kuntz-Ende übernommen. Für die Klub-Bosse war direkt klar: Wenn Peretz schon im Winter die Hamburger wieder verlässt, geht das nicht ohne Kompensation. Das Modell scheint jetzt gefunden.
Die Hamburger zahlen für die bislang sechsmonatige Peretz-Leihe nichts an die Bayern. Ursprünglich war ein Modell mit mehreren Variablen vereinbart. Eine Grundsumme, die sich bei regelmäßigen Einsätzen verringert. Dazu eine Bonus-Zahlung, wenn die Hamburger in der Bundesliga den Klassenerhalt schaffen. Abgerechnet werden sollte zum Saison-Ende. Die Gesamt-Summe für ein Jahr hätte sich in einer Größenordnung von 400.000 bis 500.000 Euro bewegt.
Das hat sich jetzt erledigt. Der HSV zahlt nichts. Da kommt Southampton ins Spiel. Bayern hat sich mit den Engländern darauf verständigt, dass sie eine höhere Leihgebühr überweisen als es die Hamburger für die ausstehenden sechs Monate getan hätten.
Peretz will Montag nach England fliegen
Damit können sich am Ende alle als Sieger fühlen. Southampton bekommt seinen neuen Torwart. Peretz hat neue Hoffnung auf einen Nummer-eins-Status. Bayern macht finanziell kein Minus und setzt darauf, dass der Leih-Keeper endlich zu Spielpraxis kommt. Der HSV muss für die sechs Peretz-Monate nichts zahlen. Jetzt brauchen die Hamburger (nur) noch einen gleichwertigen Ersatz.
Wenn die Details – diesmal – auch schriftlich fixiert sind, könnte sich Peretz Montagabend noch in den Flieger nach England setzen.
