SPORT BILD: Sie sind mit Bayern gut in die Euroleague-Saison gestartet, doch zuletzt gab es fünf Niederlagen am Stück. Woran liegt es?

Niels Giffey (34): „Wir sind immer gut in den Spielen drin, zeigen meist eine gute erste Halbzeit. Aber dann werfen uns fünf schlechte Minuten zurück, das kostet uns die Spiele. Zuletzt bei Partizan Belgrad waren die Offensivrebounds und die vielen Ballverluste das Problem. Das Gute ist, dass es noch relativ früh in der Saison ist. Aber wir müssen aufpassen, dass die Play-ins und Play-offs nicht zu weit außer Sichtweite geraten.“

Mitspieler besorgt: Basketball-Profi verletzt sich mitten im Spiel

Quelle: FIBA

Manche sagen: Die Bayern sind zu gut für die BBL und zu schlecht für Europa …

„Da möchte ich entschieden widersprechen. Wir können in Europa mithalten. Das zeigen wir ja phasenweise. Wir kommen nicht komplett unter die Räder. Was uns fehlt, ist die Konstanz.“

Warum ist die Konstanz nicht da?

„Wir haben viele neue Spieler, müssen uns als Team erst finden. Auch unser neuer Starspieler Spencer Dinwiddie braucht Zeit, anzukommen und sich mehr und mehr ins Team zu integrieren. Auch wir müssen uns an ihn gewöhnen. Wir sind noch nicht da, wo es unglaublich klickt. Dann kam noch dazu, dass unser Trainer Gordon Herbert mehr als zwei Wochen krankheitsbedingt ausfiel. Das hat die Sache nicht leichter gemacht.“

Genauso wenig wie der Spielplan: In BBL und Euroleague müssen Sie im November und Dezember von zwölf Spielen elf auswärts bestreiten …

„Ja, das hilft überhaupt nicht. Aber wir müssen da durch.“

Nach dem WM-Titel sind Sie aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Wie haben Sie den EM-Titel erlebt?

„Ich lag auf dem Sofa, habe die Spiele geschaut und bin andauernd aufgesprungen. Unter anderem, weil ich mich über das Flopping von Luka Doncic aufgeregt habe. In Gedanken war ich noch dabei. Aber da hat mir meine Frau gesagt: Denk an die schönen Dinge, für die du im Sommer endlich mal Zeit hattest. Unseren Urlaub am Gardasee zum Beispiel.“

Ihre Frau war schwanger. Ist der Nachwuchs schon da?

„Ja. Wir haben vor drei Wochen einen Sohn bekommen. Es ist wunderschön. Auch wenn die Nächte ganz schön hart sind, um ehrlich zu sein.“

Foto: BILD

Sind Sie noch Mitglied der Nationalspieler-WhatsApp-Gruppe?

„Nein, da wurde ich rausgeworfen (lacht). Die wird jedes Jahr neu aufgesetzt.“

Werden die goldenen deutschen Basketball-Jahre weitergehen?

„Es sieht sehr gut aus. Titel sind immer eine Momentaufnahme, da muss alles zusammenpassen. Aber grundsätzlich ist der deutsche Basketball glänzend aufgestellt. Das aktuelle Team versteht sich richtig gut, das ist wichtig. Und es kommen viele talentierte Spieler nach. Man muss sich nur mal die College-Liga in Amerika anschauen. Hannes Steinbach, Chris Anderson, Ivan Kharchenkov – sie spielen alle richtig gut.“

Seit man auf dem College viel Geld verdienen kann, ist es zum Trend geworden, dorthin zu wechseln …

„Ich würde es genauso machen, auch wenn es bitter für die BBL ist. In vier Jahren kann man finanziell für das Leben aussorgen. Als ich damals auf dem College war, habe ich keinen Cent verdient. Aber für meine Entwicklung als Spieler und Persönlichkeit war es genau die richtige Entscheidung.“

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