Die DHB-Frauen stehen im Halbfinale der Heim-WM, schlagen Brasilien 30:23. Das kommt nicht von ungefähr. Wenn die besten Handballerinnen der Welt um den Titel kämpfen, läuft hinter den Kulissen ein hochpräzises Daten­-Feintuning.

Jeder Sprint, jede Beschleunigung, jeder Richtungswechsel, jeder Wurf wird gemessen und analysiert. Systeme wie Kinexon (die Spielerinnen tragen im Spiel eine Weste unter dem Trikot, in der sich ein Chip mit GPS-System befindet, das die Daten bereitstellt) liefern Echtzeitinformationen, die Trainer nutzen, um Belastungen zu steuern, Taktiken zu optimieren und Verletzungen vorzubeugen. Das Ziel: maximale Leistung im entscheidenden Moment dank gläserner Handballerinnen.

Ungewöhnliche Einheit: WM-Frauen machen sich mit Kult-Spielzeug warm

Quelle: BILD

Doch der DHB geht noch ein paar Schritte weiter. Seit 2023 ist Dr. Simon Overkamp (40) hauptamtlich der Athletiktrainer aller zwölf Handball-Nationalteams. Neben Kinexon (Datenerhebung der mechanischen Intensität) erhebt der Verband noch seine eigenen Daten.

Overkamp erklärt: „Die Spielerinnen tragen bei der WM zu der Weste noch einen Gurt, der die Herzfrequenz misst, und wir haben eine App eingeführt (XPS Sideline; d. Red.), da erheben wir subjektive Daten zum Wohlbefinden.“

Dr. Simon Overkamp schnallt Nationalspielerin Alina Grijseels die Weste mit dem Daten-Chip um

Dr. Simon Overkamp schnallt Nationalspielerin Alina Grijseels die Weste mit dem Daten-Chip um

Foto: Marco Wolf

Nach dem Aufstehen haben die DHB-Frauen die Möglichkeit, Fragen zu beantworten auf einer Skala von eins bis zehn. Zum Beispiel: Wie lange und wie gut hast du geschlafen? Hast du muskuläre Probleme? Wie erschöpft oder nervös bist du? Overkamp: „Es dauert eigentlich nur 60 Sekunden, und ich kann dann anhand der Daten Bundestrainer Markus Gaugisch sofort Rückmeldung geben. Damit er Training, Einsatzzeiten und Regeneration besser steuern kann.[–>

Foto: BILD

Da Overkamp die Daten schon seit rund vier Jahren erhebt, weiß das Trainerteam immer ganz genau, was jede Spielerin braucht. „Keine Spielerin muss nach dem Ausfüllen fürchten, wenn sie mal schlecht geschlafen hat, dass Markus sie im Spiel gleich auf die Bank setzt. Das hat keine negativen Konsequenzen. Im Gegenteil: Das Tool ist dafür da, Verletzungen vorzubeugen, Auffälligkeiten zu erkennen, um gleich gegensteuern zu können.“

Die Daten-Datenvielfalt ist immens. Overkamp: „Die Weste liefert Rohdatensätze der 180 Metriken aller 16 Spielerinnen. Für uns sind natürlich wichtig, wie oft ist die Spielerin in den 60 Minuten des Spiels gesprintet, die gelaufenen Kilometer, die Richtungswechsel, wie viele Sprünge, wie oft ging es in die seitliche Bewegung, Einsatzzeiten. Dazu liefert der zusätzliche Gurt wichtige Daten zu den Belastungsspitzen und den Erholungszeiten.“

In einem Spiel läuft eine Rückraumspielerin im Schnitt 4,8 Kilometer, eine Außenspielerin rund 5,5 Kilometer. Gesprintet wird in der Spitze mit 30 km/h, die Bälle werden mit Tempo 80 bis 105 km/h aufs Tor geworfen, rund 70-mal wird abgesprungen, rund 40-mal sprintet eine Außenspielerin. Bei rund 190 bis 200 Schlägen liegt die Herzfrequenz in den hochintensiven Phasen (120 bis 125-mal pro Spiel).

Dr. Simon Overkamp betreut alle deutschen Nationalspieler von der U17 bis zum A-Team (weiblich und  männlich) und auch die Beachhandball-Nationalteams. Das sind fast 400 Sportler

Dr. Simon Overkamp betreut alle deutschen Nationalspieler von der U17 bis zum A-Team (weiblich und männlich) und auch die Beachhandball-Nationalteams. Das sind fast 400 Sportler

Foto: Krieger

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