Kommen Weltstars nach München, residieren sie im „Bayerischen Hof“ am Promenadeplatz. Genau dort fanden sich in einer geheimen Runde die Mächtigen des FC Bayern am Abend des 1. Dezember zum Weihnachtsessen ein: der Aufsichtsrat mit Boss Herbert Hainer (71), Uli Hoeneß (73) und Karl-Heinz Rummenigge (70) sowie Wirtschaftsgrößen. Dazu der Bayern-Vorstand um Jan-Christian Dreesen (58) und Max Eberl (52). Zuvor hatte es die letzte Aufsichtsratssitzung des Jahres gegeben.
Wie harmonisch es um die Profis des FC Bayern aktuell bestellt ist, zeigen die Themen, die in der großen Runde beim Essen diskutiert wurden: So soll es dabei u. a. um das Budget bei den Fußball-Frauen gegangen sein, ebenso wie um das Stadion der SpVgg Unterhaching, welches die Bayern kaufen und renovieren wollen.
Best of Sport-Videos 2025: Woltemade-Antwort macht Fans fassungslos
So harmonisch war es in diesem Jahr nicht immer. Speziell Eberl bekam starken Gegenwind von Hoeneß und Rummenigge. Der Sportvorstand hielt dagegen. Es knirschte in der Chefetage. „Für den FC Bayern brauchst du Eier“, bemühte Eberl zuletzt den alten Oliver-Kahn-Spruch.
Nach einem Jahr voller Debatten, viel diskutierter Transfers und einem Wechsel im Vorstand herrscht aktuell plötzlich Ruhe im Führungskreis. Als hätten sich die Bayern geschworen: Wir raufen uns zusammen und setzen uns jetzt öfter zusammen, damit keine Missverständnisse mehr entstehen.
Wie wichtig der Bayern-Führung der Austausch ist, zeigt folgende Neuerung. Im engsten Führungszirkel wurde nach SPORT BILD-Informationen ein neuer „Jour fixe“, also ein regelmäßig stattfindender Termin, festgelegt: Das Quintett aus Hoeneß, Hainer, Rummenigge, CEO Dreesen und Eberl kommt nun alle sechs Wochen an der Säbener Straße zusammen. Die Treffen finden damit doppelt so häufig wie die des Aufsichtsrats, der nur alle drei Monate tagt, statt. Bei der Elefanten-Runde soll es um aktuelle Themen, die den Sport betreffen, gehen, genauso wie um strukturelle Fragen. Eberl kann das Trio aus dem Aufsichtsrat über die Gedanken der sportlichen Führung – von ihm, Trainer Vincent Kompany (39) und Sportdirektor Christoph Freund (48) – auf dem Laufenden halten. Am Freitag, dem 28. November, tagte die Fünfer-Runde zuletzt.
Die Bedeutung dieses Austausches beschrieb Eberl unlängst so, ohne zu verhehlen, dass es auf der Ebene der Alphatiere auch Probleme gegeben hatte. „Uli, Karl-Heinz Rummenigge, Jan-Christian Dreesen, Herbert Hainer und ich. Das war teilweise auch ein Zusammenrütteln in den letzten Monaten, in denen es auch zu Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten kam. Intern wie extern. Das Ganze hat dann aber sehr dazu beigetragen, dass wir dort stehen, wo wir heute sind. Wir wissen, dass es auch mal unterschiedliche Meinungen gibt, wir wissen aber vor allem auch, was wir aneinander haben.“
Alle waren schon bereit: Spieler verletzt sich Sekunden vor Anpfiff!
Nach SPORT BILD-Informationen soll es bei den Sommer-Transfers zeitweise heftig geknirscht haben. Eberl, der u. a. gerne Xavi Simons (22) holen wollte, soll bei den Diskussionen den Bossen die Stirn gezeigt haben, nach dem Motto: Wenn ihr nicht meinem Weg vertraut, dann sagt es mir – oder lasst mich weitermachen! Das soll bei den Alphatieren für Respekt gesorgt haben.
Eberl ist Teil des aktuell zweiköpfigen Vorstands mit Dreesen, der den Klub seit Mai 2023 auf unaufgeregte Art und Weise führt. Zum 1. Januar 2026 kommt aus Stuttgart Rouven Kasper (43) als Vorstand Marketing und Vertrieb zu den Bayern und in den Führungszirkel. Er legte beim VfB großen Wert auf interne Harmonie und nimmt die Stelle von Michael Diederich (60) ein, der zum 30. September aus dem Klub ausgeschieden ist. Diederich war stellvertretender Vorstandsvorsitzender, dieser Posten wird im neuen Organigramm nicht vergeben.
Eberl selbst musste sich daran gewöhnen, dass er Vertragsfragen bei Verhandlungen enger mit dem Aufsichtsrat – also speziell mit Hoeneß, Hainer und Rummenigge – abspricht und Finanzpakete offen darlegt. Zudem reagiert der Sportvorstand bisweilen emotional, oder, wie Hoeneß sagte, „empfindlich“, auf Ratschläge und Diskussionen. Hier mussten die Bosse und Eberl einen Zugang zueinanderfinden. Der ist aktuell sehr gut, wird aber logischerweise durch ausgezeichnete Leistungen der Mannschaft auf dem Platz begünstigt. Denn wie wetterfest der interne Frieden ist, beweist sich erst, wenn im Laufe der Saison Niederlagen und sportliche Täler kommen.
Der Trainer selbst war Teil einer geheimen Runde, die am 17. November am Tegernsee zusammensaß: auf Einladung von Hoeneß. Wieder fand der traditionelle „Krustentierabend“ im Freihaus Brenner statt, in unmittelbarer Nähe von Hoeneß’ riesigem Bauernhaus am Tegernsee. Offiziell eine Veranstaltung, bei der es um die Basketball-Abteilung geht. Hoeneß hielt für die BBL-Mannschaft eine Rede auf Englisch, alle Verantwortlichen waren vor Ort. Und dennoch gab es einen Tisch mit Fußball-Experten: Hoeneß, Rummenigge, Hainer, Dreesen, Freund und Kompany. Eberl fehlte: Er hatte sich in der Länderspielpause in den Urlaub verabschiedet.


