Das total verrückte Finale der Easycredit Basketball Bundesliga. So eng war es am Ende der Hauptrunde noch nie! 65.536 Ergebnis-Möglichkeiten hatten Mathematiker vor den abschließenden acht Partien errechnet. Selbst wer Erster wird, war noch offen.

Die Entscheidung fiel im Fern-Duell zwischen dem FC Bayern und Verfolger Ratiopharm Ulm. Der Titelverteidiger empfing im BMW Park in München die MHP Riesen Ludwigsburg – die Ulmer mussten rund 790 Kilometer weiter nördlich im Inselpark bei den Veolia Towers Hamburg ran.

Es wird ein dramatisches Finish mit einem bitteren Ende für Ulm. Sie erledigten ihre Aufgabe in Hamburg souverän, siegten mit 61:79 (46:37). Die Sensation ereignete dagegen FAST in München, wo die pomadigen Hausherren mit 73:72 (33:51) gegen die MHP Riesen die neunte Saisonniederlage ganz knapp abwendeten.

Das war extrem wichtig! Denn Platz eins kann in einer möglichen Final-Serie zwischen beiden noch mal entscheidend werden. Zum einen, weil die Ulmer und Bayern extrem heimstark sind, zum anderen, weil ein mögliches fünftes Heimspiel zusätzliche Einnahmen garantieren würden.

Für die Türme stand dagegen schon vorher fest, dass sie keine Chance mehr auf die Post-Season haben. Bitter: Ludwigsburg verspielte in den letzten Sekunden eine Play-In-Teilnahme.

Nach dem Aufstieg des HSV durch ein 6:1 gegen Ulm stieg in der Hansestadt zum zweiten Mal in 20 Stunden der Vergleich Hamburg gegen Ulm. Diesmal aber unter umgedrehten Voraussetzungen. Das Spitzenteam aus Schwaben hat das Duell der beiden deutschen EuroCup-Teilnehmer noch nie verloren.

Und die Ulmer ließen auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass das so bleiben soll.

Es dauert nur 19 Sekunden – dann ist der Überraschungsmeister von 2023 im Fernduell um 16.30 Uhr an den Bayern vorbeigezogen.

Basketball-Bundesliga: FC Bayern gewinnt Fern-Duell um Platz 1 gegen Ratiopharm Ulm

In Hamburg geht Ulm durch einen Korbleger von NBA-Kandidat Ben Saraf (19) in Führung. München erwischt dagegen einen katastrophalen Start. Trotz des Heimvorteils ist der Euroleague-Teilnehmer von Anfang an nicht wirklich da. Schnell steht es 11:0 für Ludwigsburg. Es dauert fast fünf Minuten, bis Devin Booker (28) den ersten Punkt für den FCB macht. Andreas Obst (28) macht nach sechs Minuten die ersten Zähler aus dem Feld.

Nach 20 Minuten liegen die Bayern 33:51 hinten! Kommt nach der Pause eine Reaktion? Ein Aufbäumen?

MVP erneut orange!: Chemnitzer Urgestein holt BBL-Titel

Quelle: BILD/ DYN Basketball

JEIN…

Die MHP Riesen zeigen eine ihrer besten Saisonleistungen, ergänzen ihre berüchtigte Defense mit einer sehr guten Wurfquote. Weit im dritten Viertel führen die Schwaben mit 22 (62:40) Zählern. Ulm marschiert dagegen im hohen Norden unbeirrt, revanchiert sich für die Niederlage der Fußballer. Einige Fans von der Donau gaben sich sogar das Doppelprogramm. Und hatten dann noch was zu feiern. „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“

Doch als kaum noch einer damit rechnete, kamen die Bayern noch mal ran. Irre. Mit 8,8 Sekunden auf der Uhr besorgte Niels Giffey mit dem 73:72 die erste Führung des Spiels für die Münchner. Sie hielt bis zum Schluss. Die Ulmer verfolgten das dramatische Ende in Hamburg am Handy. Um 18.25 Uhr ist das Fern-Duell entschieden.

Bayerns-Weltmeister Andi Obst (15 Punkte) bei Dyn: „Wir waren nicht so bereit, in der erste Halbzeit, waren nicht so physisch. Anfang des vierten Viertels haben wir dann einen Zahn zugelegt, nicht aufgegeben und es noch irgendwie gedreht. Das war schon gute Play-off-Atmosphäre.“

Die Ulmer verfolgten die letzten Minuten in München am Handy

Die Ulmer verfolgten die letzten Minuten in München am Handy

Foto: RALF SCHMITT

Beste Werfer: Noa Essengue (12 Punkte) für Ulm und Kur Kuath (18 Punkte/Saisonbestleistung) für Hamburg.

Ulm und die Bayern warten jetzt auf ihre Viertelfinal-Gegner – die Towers stehen nach einem weiteren Jahr im Niemandsland vor dem nächsten Neuaufbau. Top-Scorer Brae Ivey (28/Vertrag läuft aus) wird nicht zu halten sein. Block-Monster Kur Kuath (26) hat zwar noch ein Jahr Vertrag, wird aber nach einem bärenstarken Jahr voraussichtlich von einem europäischen Top-Klub per Ablöse weggekauft.

Gültige Papiere für kommende Saison haben nur Kapitän BenediktTurudic (28), Niklas Wimberg (29), Osaro Jürgen Rich (26) 2026 und Kenneth Ogbe (30). Leif Möller (21) wird nach einer enttäuschenden Saison wohl in die zweite Liga oder auf ein College wechseln. Auch Jared Grey (20) hofft auf einen lukrativen NIL-Deal in der NCAA.

Teaser-Bild

Foto: BILD

ttn-36